Ein Antrag Thüringens thematisiert etwa das Schließen der Versorgungslücke zur Regelfinanzierung für Psychosoziale Zentren. Studien zeigen, rund 30 Prozent der geflüchteten Menschen leiden unter schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Die Psychosozialen Zentren leisten hier unverzichtbare Arbeit, stoßen jedoch an finanzielle Grenzen. Während die Bundesmittel für alle Länder von 17,5 Mio. Euro im Jahr 2023 auf 11,6 Mio. Euro im Jahr 2026 sinken, liegt der tatsächliche Bedarf aus Sicht der psychosozialen Zentren bei rund 27 Mio. Euro. Die Unterfinanzierung könnte sich fatal auswirken, angesichts der Tatsache, dass schon jetzt nur ein Bruchteil der Betroffenen mit Hilfsbedarf (nach Berechnungen des Bundesverbandes der PSZ derzeit rd. 3,1 Prozent) erreicht werden können.
„Wir dürfen Menschen, die vor Krieg und Folter geflohen sind, mit ihren Traumata nicht alleinlassen. Aber wir können auch nicht das Regelstrukturen der psychosozialen Beratung überlasten“, betont Ministerin Meißner. Dem Antrag Thüringens haben sich acht weitere Ländern angeschlossen. Gefordert wird vom Bund die Überführung der Mittel in eine dauerhafte, verlässliche Regelfinanzierung, eine signifikante Erhöhung der Bundesmittel ab 2027 und die Anerkennung von Dolmetscherkosten als integraler Bestandteil der Behandlung, damit Therapieerfolge nicht an der Sprache scheitern.
„Wir haben auf tragischste Weise bereits mehrfach erleben müssen, was es bedeutet, wenn Traumata, die die Menschen, die zu uns kommen, auf ihrer Flucht mitbringen, unbehandelt und ungesehen bleiben. Ich sehe es als unsere Pflicht für ein sicheres Zusammenleben an, dass wir dieses Thema mit einer soliden Finanzierung angehen. Psychosoziale Unterstützung ist auch Präventionsarbeit, denn sie schützt die Betroffenen und dient am Ende der Sicherheit von uns allen“, so Integrationsministerin Meißner.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Förderung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Thüringen hat einen Antrag initiiert, der darauf abzielt, schulfreie Zeiten gezielt für die Integration zu nutzen.
„Integration findet nicht nur im Klassenzimmer statt. Gerade in den Ferien brauchen Kinder und Jugendliche Räume, in denen sie die Sprache praktisch anwenden, unsere Kultur kennenlernen und soziale Kontakte knüpfen können“, so Meißner.
Die Initiative sieht die Förderung von Lern-, Begegnungs- und Mentoringprogrammen vor, die soziale Kompetenzen und das Zugehörigkeitsgefühl stärken. Zudem soll es eine engere Verzahnung von Integrationspolitik, Jugendhilfe und Bildungswesen auf Bundes- und Länderebene geben sowie Ferienangebote, die Brücken bauen, um auch Eltern besser über gesellschaftliche Strukturen und Bildungswege zu informieren. Vor dem Hintergrund, dass inzwischen mehr als 40 % der Kinder und Jugendlichen eine Zuwanderungsgeschichte haben, ist die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und Integration von Anfang an eine zentrale Zukunftsaufgabe.
„Ich betone immer wieder: Sprache ist der Schlüssel zur Integration. In den Ferien wollen wir jungen Menschen die Chance geben, diesen Schlüssel ganz ohne Notendruck zu nutzen. Unsere Initiative schafft neue Erfahrungsräume, die das Ankommen erleichtern und echte Teilhabe in unserer Gesellschaft ermöglichen“, meint die Ministerin.
Abschließend erklärt Ministerin Beate Meißner zu den Thüringer Initiativen: „Wer heute in die psychosoziale Gesundheit und die Teilhabe junger Menschen investiert, vermeidet die sozialen Folgekosten von morgen. Ein wehrhafter Rechtsstaat zeigt sich auch darin, wie er die Schwächsten schützt und der nächsten Generation echte Perspektiven bietet. Wir erwarten hier vom Bund ein klares Bekenntnis und eine solide finanzielle Unterlegung dieser Zukunftsaufgaben.“
